Organisierte Kriminalität in Deutschland – der Bundeslagebericht

Das Bundeskriminalamt hat Anfang Oktober 2015 den Bundeslagebericht für die Organisierte Kriminalität (OK)  für das Jahr 2014 veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern, dem Zoll und der Bundespolizei wurde dabei die Entwicklung der kriminellen (Gruppen-)Aktivitäten analysiert. Schwerpunktthemen waren hierbei die finanziellen Erträge durch Organisierte Kriminalität, die Herkunft der Tatverdächtigen, sowie die verübten Delikte. Dabei kann natürlich nur von den bekannten bzw. bekannt gewordenen Straftaten ausgegangen werden, die Dunkelziffer lässt sich nur schwer abschätzen.

 

Was ist Organisierte Kriminalität?

Wenn mehr als zwei Personen über einen längeren und unbestimmten Zeitraum, in Zusammenarbeit, planmäßig Straftaten verüben um Gewinn zu erzielen oder Macht zu bekommen, spricht man von Organisierter Kriminalität. Oft weisen diese gewerbeähnliche Strukturen auf und versuchen durch Gewalt und Einschüchterung ihre Ziele zu erreichen.

Ein Großteil der Delikte findet dabei im Bereich Rauschgifthandel- und schmuggel (32,9%), Einbrüchen und Autodiebstahl (18,9%), Kriminalität im Wirtschaftsleben (12,8%) und Konflikte mit Steuer- und Zollbehörden (9,1%) statt.

Die Anzahl der Ermittlungsverfahren ist im Gegensatz zu 2013 nur geringfügig zurückgegangen (-1,6%). Die mit Abstand meisten Strafverfahren 2014 gab es hierzu in Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 103 Prozessen. Niedersachsen folgt mit 71, danach Bayern mit 66 Verhandlungen. Die wenigsten Verfahren gab es in Thüringen und Bremen mit jeweils 8.

 

Erträge durch Kriminalität sind stark gesunken

Kriminelle Gruppierungen erwirtschafteten rund 335 Millionen Euro in 2014, wie durch knapp 230 Verfahren berechnet wurde. Das sind fast 50% weniger als im Vorjahr (638 Millionen Euro), wobei es 2013 bereits in einem einzigen Fall um rund 208 Millionen Euro ging.  Die höchsten Erträge wurden laut Bericht bei der Kriminalität im Wirtschaftsleben eingefahren, ebenso Steuer- und Zolldelikte. Fast 50 Millionen Euro wurde durch Umweltkriminalität eingenommen, dabei schlugen insbesondere zwei neue Ermittlungsverfahren ein, die es zusammen auf diese Summe brachten.

Aber nicht nur die Erträge gingen zurück, auch die Schäden durch Organisierte Kriminalität verringerten sich um 25%. Trotzdem betrug die gemeldete Schadenssumme immer noch über eine halbe Milliarde Euro. Der höchste (einzelne) Schaden wurde dabei durch gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrug mit Gewinnspielen und Lotto-Tippgemeinschaften verursacht und betrug in etwa 75 Millionen Euro. Das Verfahren zählte in den Bereich Kriminalität im Wirtschaftsleben.

 

Herkunft der Täter und Tatverdächtigen

2014 gab es 8700 Tatverdächtige (vgl. Vorjahr: 9155), wovon ca. 36% deutscher, 63% nicht-deutscher und knapp 1% unbekannter Herkunft waren. Auffallend war der hohe Anteil an litauischen (10,9%) und türkischen (10,3%) Staatsangehörigen, sowie die Tatsache, dass die Tatverdächtigen aus insgesamt 104 unterschiedlichen Ländern stammten.

Der Bericht stellte außerdem fest, dass die unterschiedlichen Landsmänner bestimmte Aktivitätsfelder dominieren. So sind deutsche und türkische Gruppierungen häufig in den Schmuggel und Handel von Rauschgift, wie beispielsweise Cannabis aus den Niederlanden oder Kokain aus Südamerika involviert. Polnische Banden konzentrieren sich mehr auf Eigentumskriminalität wie Betriebs- und Wohnungseinbrüche, der Großteil bezog sich aber auf Autodiebstähle und Autoeinbrüche. Insbesondere osteuropäische, wie litauische, serbische oder bulgarische Organisationen haben sich auf KFZ-Delikte spezialisiert. Wichtig ist es Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und (polizeiliche) Hinweise zu beachten um sein Auto zu schützen.

 

Deutlicher Anstieg bei Eigentumskriminalität und Cybercrime

Mit 18,9% aller Delikte, gab es einen deutlichen Anstieg bei der Kriminalität in Verbindung mit Eigentum. Fast die Hälfte war im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. Insbesondere Täter polnischer und litauischer Herkunft dominieren das Geschäft, welche gestohlene Autos über die Grenze nach Polen und dann weiter ins osteuropäische Hinterland transportierten. Aber auch organisierte Einbruchsserien auf Betriebsgeländen und Privatwohnungen werden häufiger ausgemacht.

Ebenso haben sich die Verfahren im Bereich Cyberkriminalität im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Über 40 Millionen Euro Schaden wurden hierbei verursacht. Gruppen mit lettischen und ukrainischen Staatsangehörigen wurden am meisten angetroffen. Oft ging es hierbei um das Ausspähen von Bank- und anderer privaten Daten, die dann genutzt wurden um die Bankkonten Betroffener zu plündern.  Die Bürger müssen auf jeden Fall weiter für sicheres Online-Banking und den Umgang mit ihren Daten sensibilisiert werden. Der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft fand heraus, dass jeder fünfte Deutsche keinen Virenschutz auf seinem Computer installiert hat – dies stellt natürlich ein hohes Risiko dar.

 

Blick in die Zukunft

Obwohl die Zahl der Ermittlungsverfahren im Vergleich zu den Vorjahren in etwa gleich geblieben ist, besteht laut Bundeslagebild weiterhin ein anhaltend hohes Bedrohungs- und Schadenspotenzial. Zunehmend werden neue Aktivitätsfelder erschlossen, auch durch unsere fortschreitende technische Entwicklung, besonders im Bereich des Internets – als Tatmittel oder als Marktplatz (Verkauf personenbezogener/schützenswerter Daten). In der Wirtschaft und privat sind wir dadurch leichter angreifbar geworden. Die Gruppen agieren häufig international und deliktübergreifend – ihre Organisation und Struktur wird immer professioneller. Auch in den kommenden Jahren bleibt die Organisierte Kriminalität ein nicht zu unterschätzender Bereich und muss weiter fokussiert bekämpft werden, damit Menschen, Umwelt und die Wirtschaft vor Schäden geschützt wird.

Quelle: Bundeskriminalamt, Bundeslagebild 2014

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